Berlin - Hansaviertel

Wohnungen errichtet: 2.300 WE

Interbaugelände: 1.160 WE

Bauzeitraum: 1955 - 1958


Das Viertel wurde für die Interbau 1957 als "Stadt von Morgen" geplant. Doch standen bis zum Ende der Messe erst 601 Wohnungen bezugsfertig bereit, vollendet war das Hansaviertel 1958 mit insgesamt 2.300 Wohneinheiten - davon 1.160 auf dem Interbaugelände (siehe Fotos) und die restlichen Wohnungen nördlich davon.


Das Berliner Hansaviertel wird als Gegenstück zum Bauprojekt der Ost-Berliner Stalinallee (Karl-Marx-Allee bzw.damals: Stalinallee) genannt - dieses stimmt allerdings nur indirekt: 1951 wurde der Wettbewerb für die Stalinallee ausgeschrieben und Baubeginn war 1952. Das Hansaviertel wurde 1953 ausgeschrieben, Baubeginn war 1956 (Grundstein 1955). So gesehen war es eine verspätete Reaktion auf die Stalinallee.

Willi Kreuer und Gerhard Jobst gewannen den Wettbewerb mit ihrer Idee einer aufgelockerten Bebauung. Der Tiergarten soll in das Hansaviertel "münden" und der Platz selber wird von Hochhäusern, mittleren sowie niedrigen Häusern umreiht. Für die Gebäude selber wurde 53 Architekten eingeladen (Alvar Aalto, Egon Eiermann, Oscar Niemeyer, Walter Gropius, ...) und von ihren Entwürfen wurden 35 Gebäude verwirklicht (1.160 Wohnungen).  

Das Konzept der "Stadt von Morgen" wurde in der Interbau-Broschüre "passend" zum Wirtschaftswunder beschrieben, denn den Fußgänger auf der Straße sollte es nicht mehr geben: "Wenn man eines Morgens (...) seinen Fuß auf die Straße setzen möchte - dann ist sie weg. Zum Trost erblickt das misstrauisch suchende Auge etwas später eine neue, viel breitere, viel geradere, viel längere Straße. Irgendwo reißt sie den Rachen auf und verschluckt Autos wie Sternschnuppen. Und die Fußgänger? Mit unverbesserlichen Neandertalern kann sich die neue Straße nicht abgeben. Wer ein Ziel hat, soll im Auto sitzen, und wer keines hat, ist ein Spaziergänger und gehört schleunigst in den nächsten Park."

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Quellen: siehe hier

  & eigene Beobachtungen

Fotos: T. Nagel (2009)